{"id":621,"date":"2018-11-12T12:05:16","date_gmt":"2018-11-12T11:05:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/?p=621"},"modified":"2019-04-10T22:30:48","modified_gmt":"2019-04-10T20:30:48","slug":"zickzackkind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/zickzackkind\/","title":{"rendered":"Zickzackkind"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 10pt;\">David Grossman, Hanser Verlag, M\u00fcnchen 2000<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rezension (Aufbau, New York 1996):<br \/>\n<\/strong>Am Ende ist Nono, das \u201eZickzackkind\u201c, angekommen. Zwar nicht in Haifa, wie geplant, daf\u00fcr aber bei sich. In wenigen Stunden wird er seine Bar Mizwa feiern, und irgendwo wird noch ein wenig Staub von Israels Landstra\u00dfen an ihm kleben. Zu seinem Fest verlassen wir Nono, verbl\u00fcfft \u00fcber die Verdichtung und das perfekte Timing der Ereignisse auf \u00fcber 400 Seiten, einfach begeistert von dieser neuen Geschichte des israelischen Autors David Grossman.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist schwer, zu berichten, was da wirklich passiert ist. Ereignisse, die sich \u00fcberschlagen, lassen sich schwer z\u00e4hmen. Ganz brav sa\u00df Nono, eigentlich Amnon Fejerberg, jedenfalls im Zug von Jerusalem nach Haifa. Dort wartet Onkel Schmuel auf ihn, Verfasser von sieben Werken zum Thema Erziehung und Staatsb\u00fcrgerkunde. Der soll den Jungen eine Woche vor dem gro\u00dfen Ereignis unter seine Fittiche nehmen. Aber ganz so gemein sind dann Vater und Gabi doch nicht. Im Gegenteil. Moment, wer ist Gabi? Gabi geh\u00f6rt zur Familie und doch auch nicht. Der Vater dr\u00fcckt sich vor der Entscheidung, seiner ehemalige \u201eSchreibkraft\u201c endg\u00fcltig das hei\u00dfersehnte \u201eJa\u201c zu schenken. Gabi, eine wunderbare Natur, ein wunderbarer Charakter, klug, lebenslustig, ohne jedes Durchhalteverm\u00f6gen im Kampf gegen ihre \u00fcberfl\u00fcssigen Pfunde, Gabi k\u00fcmmert sich um Nono und den Vater und liebt beide. Als ein Bar Mizwa Geschenk der besonderen Art hatten Vater und Gabi den Verlauf von Nonos Bahnreise vom Wohnzimmertisch aus geplant. Sie scheuten keine M\u00fche, engagierten Schauspieler, die die Rollen von Zugpassagieren \u00fcbernahmen. Absurde Szenen spielen sich vor Nono ab. Er mu\u00df Zettelchen folgen, Fragen beantworten und Abenteuer bestehen. Nono f\u00fchlt sich wie in einem Theaterst\u00fcck, in dem er der einzige unter den Beteiligten ist, der nicht wei\u00df, was als n\u00e4chstes passieren wird. So weit so gut, recht gut sogar. Auch Nono zeigt sich schwer beeindruckt. Aber die eigentliche Geschichte beginnt erst sp\u00e4ter, dann n\u00e4mlich, als ein \u201eFremder\u201c beginnt, sich in das geplante Spiel einzumischen, er Nono magisch anzieht, ihn dem Schutz des Vaters langsam entzieht. Nono merkt das nicht gleich, bis er erschrocken feststellen mu\u00df, da\u00df der Vater mit dem neuen Verlauf der Geschichte nichts mehr zu tun haben kann. Nono ist auf die schiefe Bahn geraten. Der Fremde n\u00e4mlich ist Felix Glick, der Felix Glick. Nat\u00fcrlich kennt Nono diesen Namen, wer kennt ihn nicht? Oft genug hatte er die ersten Seiten der Zeitungen geschw\u00e4rzt und lange genug hatte sein Vater diesen ber\u00fchmten Gentlemanganoven gejagt. Ja, Nonos Vater ist Polizist, leitender Kommissar, und wie besessen auf der Suche nach allem Illegalen. Diese \u201eLeidenschaft\u201c hat er seinem Sohn eingeimpft: \u201eMit f\u00fcnf Jahren: Welches Kennzeichen hatte der Wagen? Wie viele Ampeln gibt es auf dem Weg? Wie startet man ein Auto ohne Schl\u00fcssel? Mit zehn \u00fcberreichte man mir zum Geburtstag ein Album mit Phantombildern \u2026, und mit zw\u00f6lf verordnete er mir \u00dcbungen auf dem Schie\u00dfstand der Polizei.\u201c Nono bewundert seinen Vater, und jetzt mu\u00df er erfahren \u2013 peu \u00e0 peu -, da\u00df Felix Glick sein Gro\u00dfvater, dessen Tochter Sohara seine Mutter ist. H\u00fcbsch war sie, federleicht, unfa\u00dfbar, voller Freiheitsdrang und voller Mi\u00dfachtung der Regeln, die ihrem Leben im Wege standen. Und wer ist er nun? Wer ist Nono? \u201eIch war der Sohn eines Polizisten und einer Kriminellen. Man k\u00f6nnte platzen. Es war zum Auseinanderrei\u00dfen in zwei Teile.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesem Buch Auszeichnungen in der Sparte \u201eJugendbuch\u201c vorauszusagen, ist nicht schwer, und sicher, ein Jugendbuch ist es auch, so wie es auch ein Abenteuerbuch ist. Vielleicht kann man sagen, da\u00df vor allem die aufregende Suche nach den eigenen Wurzeln den jugendlichen Touch der Geschichte ausmacht, die Identit\u00e4tskrise seine Erwachsenenkomponente ist. Sie f\u00e4llt schw\u00e4cher aus. Da ist zu oft von Blut als dem Wesenstr\u00e4ger die Rede. Polizistenblut, Verbrecherblut\u2026, und beides soll sich in Nono vermischen. Aber so einfach ist das hoffentlich nicht. Die zweite und auch schon letzte negative Anmerkung betrifft die \u00dcbersetzung des Textes aus dem Hebr\u00e4ischen(von Vera Loos und Naomi Nir-Bleimling). Sie ist ab und zu fl\u00fcchtig, holperig und wirkt manchmal modisch.<br \/>\nDavid Grossman, 1954 in Jerusalem geboren, z\u00e4hlt in Israel zu den bedeutenden Erz\u00e4hlern der Gegenwartsliteratur. Auch in Deutschland kennen ihn immer mehr, nicht zuletzt, weil bei den sogenannten Zwischenf\u00e4llen im Nahen Osten die gro\u00dfen Zeitungen gerne seine Stimme einholen. Und wenn er einmal \u00fcber etwas anderes erz\u00e4hlen darf, lobt er zu Recht seine beiden S\u00f6hne. Erst wenn sie seinen Manuskripten zustimmen, kann an eine Publikation gedacht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Katrin Diehl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>David Grossman, Hanser Verlag, M\u00fcnchen 2000 Rezension (Aufbau, New York 1996): Am Ende ist Nono, das \u201eZickzackkind\u201c, angekommen. Zwar nicht in Haifa, wie geplant, daf\u00fcr aber bei sich. In wenigen Stunden wird er seine Bar Mizwa feiern, und irgendwo wird noch ein wenig Staub von Israels Landstra\u00dfen an ihm kleben. Zu seinem Fest verlassen wir [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":622,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-621","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/621","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=621"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/621\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1807,"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/621\/revisions\/1807"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/622"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}