{"id":652,"date":"2018-11-12T12:38:39","date_gmt":"2018-11-12T11:38:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/?p=652"},"modified":"2019-03-08T11:11:25","modified_gmt":"2019-03-08T10:11:25","slug":"der-kleine-prinz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/der-kleine-prinz\/","title":{"rendered":"Der kleine Prinz"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Antoine de Saint-Exupery (Autor), Joann Sfar (Illustrator), Carlsen Verlag, Hamburg 2009<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rezension:<\/strong> Die Leser zeigten sich irritiert. Man schrieb das Jahr 1943, als der bereits be\u00adkannte Antoine de Saint-Exup\u00e9ry die Erwach\u00adsenenwelt mit der fantasiebegabten und verletzlichen Kinderseele konfrontierte. \u201eDer kleine Prinz\u201c kam zu fr\u00fch. Er war sei\u00adner Zeit voraus. Jahre mussten vergehen, bis Wesen seiner Art Einzug hielten in die Literatur, noch etwas sp\u00e4ter in die Kinderliteratur. Die Erfolgsgeschichte des \u201ekleinen Prinzen\u201c begann. Das Buch wurde Kult, der kleine Prinz nach Strich und Fa\u00adden vermarktet, fand sich wieder auf L\u00e4tzchen, Briefb\u00f6gen und Kopfkissenbez\u00fcgen \u2013 nur eine Frage der Zeit also, bis es ihn auch als Comichelden geben sollte. Joann Sfar hat die Adaptierung des Klassikers gewagt, der nur dann ideeller Erfolg beschieden sein konnte, wenn sie sich unverdorben abseits vom Kommerz bewegte. In Frank\u00adreich wurde Sfars \u201ekleiner Prinz\u201c bereits als beste Graphic Novel f\u00fcr junge Leser ausgezeichnet. Dort ist Sfar, geboren 1971 in Nizza, ein Star unter den Comiczeichnern. In Deutschland machte er durch die wunderbaren B\u00e4nde \u00fcber die \u201eKatze des Rabbiners\u201c auf sich aufmerksam. Eine Hommage an das sch\u00f6nste Buch seiner Kindheit sei sein \u201ekleiner Prinz\u201c, teilt der Verlag mit. Keine schlechte Voraussetzung. Was man als Kind gelesen hat, sitzt tief. Vielleicht hatte der kleine Joann, nach dem fr\u00fchen Verlust seiner Mutter, ein wenig Halt in Saint-Exup\u00e9rys Buch gefunden. Vielleicht stellte er eine nicht ganz koschere Verbindung her zwischen der Kabbala, in die ihn der Gro\u00dfvater eingef\u00fchrt hatte, und der Planetenwelt des klei\u00adnen Prinzen. Sp\u00e4ter studierte Sfar Philosophie. Die Kunst kam erst danach. \u201eDie Logik ist These, Antithese, Synthese. Die j\u00fcdische Lehre ist These, Antithese, Antithese, Antithese\u201c, l\u00e4sst er die Katze des Rabbiners einmal sagen. Voller Antithesen steckt auch der kleine Prinz. Im Comic l\u00e4sst er sie auf den R\u00fccken des Piloten, der Exup\u00e9rys Z\u00fcge tr\u00e4gt, prasseln. Doch der ist damit besch\u00e4ftigt, seine Flug\u00adma\u00adschine wieder in Gang zu bringen. Er f\u00fchlt sich nicht zust\u00e4ndig f\u00fcr Synthesen, stattdessen umarmt er. Da stehen sie dann. Der Pilot und der kleine Prinz. Sie halten sich aneinander fest und aus den tellergro\u00dfen Augen des kleinen Prin\u00adzen werden Seen. Sfar schreckte nicht vor sentimentalen Momenten zur\u00fcck, das war er seiner Liebe zu diesem Buch wohl schuldig. Nat\u00fcrlich geht es in Exup\u00e9rys \u201ekleinem Prinzen\u201c auch ums Zeichnen, um die Kraft der Bilder, um Reaktionen und Illusionen, die von wenigen Strichen auf einem St\u00fcck Papier ausgehen, um Sfars Metier also. Wer k\u00f6nnte das Bild vom Elefanten im Bauch der Riesenschlange vergessen, das alle \u201eGro\u00dfen\u201c f\u00fcr einen Hut hielten, wer den Satz \u201ebitte \u2026 zeichne mir ein Schaf!\u201c. Sfar schreibt und zeichnet am Original entlang mit eigener Gewichtung, angezogenem Tempo und einigen mehr oder weniger gelungenen zeichnerischen Ideen. Dabei schafft er es, den weltbekannten Bildern Exup\u00e9rys an keiner Stelle zu nahe zu treten. Er l\u00e4sst dem kleinen Prinzen seine Erkennungsmerkmale. Mit seinem typischen Strich \u2013 krakelig, nerv\u00f6s, skizzenhaft, weit weg von jeder ligne claire und mit viel Schraffur -, macht er ihn jedoch zu einem eigenen Wesen, das \u201ehihi\u201c und \u201ehaha\u201c lachen darf und dem Original nicht im Wege steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erstausgabe von Saint- Exup\u00e9rys \u201ekleinem Prinzen\u201c erschien 1943 in New York, was den Pariser Gallimard Verlag sehr w\u00fctend machte, hatte sich Exup\u00e9ry doch bei ihm vertraglich verpflichtet. Er brachte sp\u00e4ter einen leicht ver\u00e4nderten Text heraus. Zum Beispiel sieht darin der kleine Prinz die Sonne auf seinem Planeten nur noch 43 statt 44 mal untergehen. Bei Sfar geht sie wieder 44 mal unter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Katrin Diehl (J\u00fcdische Allgemeine Wochenzeitung, 2009)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antoine de Saint-Exupery (Autor), Joann Sfar (Illustrator), Carlsen Verlag, Hamburg 2009 Rezension: Die Leser zeigten sich irritiert. Man schrieb das Jahr 1943, als der bereits be\u00adkannte Antoine de Saint-Exup\u00e9ry die Erwach\u00adsenenwelt mit der fantasiebegabten und verletzlichen Kinderseele konfrontierte. \u201eDer kleine Prinz\u201c kam zu fr\u00fch. Er war sei\u00adner Zeit voraus. Jahre mussten vergehen, bis Wesen seiner [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":521,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-652","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/652","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=652"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/652\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1277,"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/652\/revisions\/1277"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/521"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=652"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=652"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brodtfoundation.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=652"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}